Die Zeitschrift des Forums Biodiversität widmet sich aktuellen Themen rund um die Biodiversität, welche Forschende und Fachleute aus Verwaltung und Praxis beleuchten. Zweimal jährlich erscheint eine neue Ausgabe in Deutsch und Französisch.

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Editorial

Lukas Berger
Lukas Berger
Lukas BergerBild: Andres Jordi
Bild: Andres Jordi

Gewässer sind dynamisch Lebensräume. Einflussfaktoren wie Energieproduktion, Landwirtschaft, Klimawandel, Abwasser und Mikroverunreinigungen machen deutlich, wie stark wir sie beanspruchen. Veränderungen der Wasserqualität, des Abflussregimes, der Wassertemperatur und der Artenzusammensetzung sind dabei keine isolierten Phänomene, sondern Signale eines komplexen Zusammenspiels menschlicher und natürlicher Einflüsse.

Ohne systematisches Monitoring können wir solche Signale weder erkennen noch richtig einordnen. Zwar nehmen alle von uns bestimmte Umweltveränderungen wahr. Je nach persönlicher Überzeugung, individuellem Wissen und politischem Hintergrund stellen wir dann Vermutungen an, oder haben zumindest ein vages Gefühl, wie sich etwas entwickelt. Dies im Gegensatz zum Monitoring, das ökologische Entwicklungen objektiv messbar - und damit sachlich diskutierbar macht. Monitoring liefert uns Daten für eine faktenbasierte Umweltpolitik: Durch wiederholte, standardisierte Erhebungen analysiert es den Zustand und dokumentiert zuverlässig die Veränderungen.

Biodiversität verschwindet oder erholt sich nur selten abrupt. Programme wie die Nationale Beobachtung der Oberflächengewässerqualität (NAWA) erfassen neben chemischen und physikalischen Parametern über Jahre hinweg auch verschiedene biologische Indikatoren: Wasserpflanzen, Makrozoobenthos, Fische und Kieselalgen. Damit wird ein biologisches Gedächtnis unserer Oberflächengewässer geschaffen. Die Bioindikatoren erzählen uns Geschichten über Belastung und Erholung, über Stabilität und Stress. NAWA hilft uns, diese Geschichten zu lesen und zu verstehen.

Ebenso wichtig ist die Rolle des Monitorings als Grundlage für wirksame Massnahmen. Schutz und Nutzung stehen meistens in direkter Konkurrenz, nicht nur in Gewässern. Verlässliche Daten schaffen Transparenz und Vertrauen - zwischen Wissenschaft, Verwaltung, Politik und Öffentlichkeit. Sie ermöglichen es, Prioritäten zu setzen, Erfolge zu überprüfen und Fehlentwicklungen zu korrigieren.

Gewässermonitoring bedeutet letztlich, als Gesellschaft Verantwortung zu übernehmen. Der Zustand der Gewässer hält uns den Spiegel vor, wie wir mit unserer Umwelt umgehen. Vergessen wir nicht, dass Gewässer unsere Lebensadern sind. Gewässer können sehr artenreiche Lebensräume sein. Besonders biodivers sind die Übergänge zwischen Wasser und Land, weshalb es entscheidend ist, dass wir auch die Festlegung des Gewässerraums vorantreiben. Der Gewässerraum steht immer wieder im politischen Gegenwind. Es ist wichtig, dass wir diese in einem langen gesellschaftlichen Prozess ausgehandelte Errungenschaft gegen kurzfristige Interessen verteidigen. Zu gross ist die Bedeutung für uns Menschen (u. a. Hochwasserschutz) und die Natur, als dass wir darauf verzichten können.

Ich hoffe, dass wir Ihnen mit dieser Ausgabe verdeutlichen, dass ein robustes Monitoring kein Luxus ist, sondern eine Investition in unsere Handlungsfähigkeit und Vorsorge. Und wichtig: Hinter jedem Umwelt-Monitoring stehen engagierte Menschen, die selten im Rampenlicht stehen und oft nicht die Wertschätzung erhalten, die sie verdienen. An dieser Stelle sei ihnen ausdrücklich für ihren grossen Einsatz gedankt!


Lukas Berger ist Leiter des Forums Biodiversität Schweiz.